„LIEBER ALLE …Säuglinge und Kleinkinder vor Vernachlässigung bewahren“

Kindesvernachlässigung ist „die andauernde oder wiederholte Unterlassung fürsorglichen Handelns sorgeverantwortlicher Personen (Eltern oder andere von ihnen autorisierte Betreuungspersonen), welche zur Sicherstellung der physischen oder psychischen Versorgung des Kindes notwendig wäre“ (Schone, R. u. a.: Kinder in Not., Münster 1997). Nach neueren Erkenntnissen beginnt sie in aller Regel im Säuglings- bzw. Kleinkindalter. Da sie häufig bis zum Schuleintritt unbemerkt bleibt, sind die Beeinträchtigungen der körperlichen, geistigen und seelischen Entwicklung der betroffenen Mädchen und Jungen meist gravierend.

Der Kinderschutzbund versteht sich als Anwalt dieser Kinder, die aufgrund ihres Entwicklungsstandes nicht in der Lage sind, auf ihre Situation aufmerksam zu machen und Hilfestellung zu suchen. Während die Intervention in der Akutsituation schon seit jeher Arbeitsschwerpunkt des Kinderschutzbundes ist, hat sich in den letzten Jahren die Prävention als weiteres Tätigkeitsfeld etabliert. Der DSKB Landesverband NRW e. V. hat es sich in diesem Zusammenhang zur Aufgabe gemacht, einerseits das bislang vernachlässigte Thema der Vernachlässigung stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken und damit einhergehend andererseits das Angebot frühzeitiger Hilfen für Eltern zu fördern.

Die konkrete Umsetzung dieser zweigleisigen Aufgabenstellung zeigt sich u. a. an dem Projekt „Lieber alle Säuglinge und Kleinkinder vor Vernachlässigung bewahren“. Dieses Modellprojekt wurde von Oktober 1999 bis Dezember 2000 in Kooperation des DSKB Landesverbandes NRW e. V. und drei Ortsverbänden in NRW durchgeführt mit dem Ziel der systematischen (Weiter-)Entwicklung und Auswertung von präventiven Maßnahmen. Auf dem Hintergrund wissenschaftlicher Erkenntnisse über die Ursachen und Folgen von Vernachlässigung wurden u. a. folgende Bausteine konzipiert und evaluiert:

 Niedrigschwellige Angebote

§    Einrichtung spezieller Treffpunkte in sozialen Lebensräumen von Familien, die Mütter und insbesondere auch Väter ohne Angst vor negativer Zuschreibung erreichen und nutzen können zum Erfahrungsaustausch und unbürokratischen Kennen lernen von Hilfestellungen in Krisensituationen, da krisenhafte Lebensereignisse das Vernachlässigungsrisiko signifikant erhöhen.

§    Förderung familienbezogener Selbsthilfe

§    Spezielle Beratung für Kinder mit Schrei-, Ess- oder Schlafstörungen

 

 Entstanden sind im Rahmen des Projektes "Lieber alle ..." auch Beratungsangebote für Eltern mit Säuglingen und Kleinkindern in einigen Ortsverbänden. Die mit dieser Beratung betrauten MitarbeiterInnen haben gemeinsam mit dem DKSB Landesverband daher Qualitätsstandards für diese Beratung entwickelt und diese Erarbeitung zur Diskussion gestellt.

 Aufklärung und Fortbildung

§    Fachveranstaltungen zum Thema Prävention von Vernachlässigung für haupt- und ehrenamtliche MitarbeiterInnen von Einrichtungen, die mit Müttern und Vätern kleiner Kinder in Kontakt stehen.

 Ein entsprechendes Inhouse-Seminar-Angebot finden Sie hier.  (Ausschreibung Vernachlässigungsseminar)

Interdisziplinäre Vernetzung

§    Schaffung eines Netzwerkes zwischen Einrichtungen und Diensten im Stadtteil, die mit Familien, Eltern und/oder Kleinkindern arbeiten (vor allem Dienste der Gesundheitshilfe)

Die Dokumentation des Projekts „Lieber alle...“ sowie eine informative Broschüre zur Thematik der Kindesvernachlässigung können in der Landesgeschäftsstelle bestellt werden. (Weitere Angaben hierzu entnehmen Sie bitte den Hinweisen unter Materialien.) Die grundlegende Broschüre steht über unsere Materialienliste auch als Download zur Verfügung.