Pressemitteilung

 

Datum: 22.05.2005

 

Kinderschutzbund NRW fordert „Offensive gegen Vernachlässigung von Kindern“

Mehr Know-how für Eltern

 

Kindergärten, Schulen und Kinderärzte in Nordrhein-Westfalen sollen Kinder besser im Blick haben. Das hat der Deutsche Kinderschutzbund in Nordrhein-Westfalen gefordert. Es komme darauf an, Kinder genauer zu beobachten. „Nur so können wir früher erkennen, wenn Kinder vom Elternhaus vernachlässigt werden“, sagte Dieter Greese. Der Vorsitzende des Kinderschutzbundes NRW sprach sich für ein „soziales Frühwarnsystem“ aus. Die Vorschläge der NRW-Landesregierung hierzu seien ein richtiger und wichtiger Schritt.

 

Die Offensive gegen Kindesvernachlässigung müsse quer durch alle Bereiche der Gesellschaft gehen. „Hier ist jeder gefragt, der mit Kindern zu tun hat – von der Nachbarin bis zum Schulbusfahrer“, sagte Greese. Mit Bespitzelung habe dies nichts zu tun. „Es kommt darauf an, hin- und nicht wegzugucken. Der Notruf eines Kindes kommt versteckt. Es ist daher wichtig, nachzufragen und nicht zu schweigen, wenn sich ein Kind auffällig verhält“, so der DKSB-Vorsitzende.

 

Von der fehlenden warmen Mahlzeit am Tag bis hin zur körperlichen oder seelischen Misshandlung – Vernachlässigung von Kindern hat viele Facetten. „Das soziale Frühwarnsystem ist wichtig. Es schlägt Alarm bei Missständen im Stadtteil (z. B. fehlende Spielmöglichkeiten für Kinder) und macht aufmerksam auf konkrete Nöte von Kindern und Eltern“, sagte Dieter Greese. Wir wollen starke, selbstbewusste Kinder – deshalb muss man die Eltern von Anfang an wesentlich besser als bisher bei der Erziehung unterstützen. Hierzu forderte der Deutsche Kinderschutzbund qualifizierte Eltern-Angebote. Diese müssten in Nordrhein-Westfalen flächendeckend und rasch eingeführt werden.

 

„Das Know-how ist da. Es kommt jetzt darauf an, es an die Väter und Mütter zu vermitteln“, sagte Greese und verwies auf die Familien-Angebote des Kinderschutzbundes. Der Kinderschutzbund-Kurs „Starke Eltern – Starke Kinder“ laufe seit Jahren äußerst erfolgreich. „Darin machen wir Eltern fit für die Erziehung: von der Streitschlichtung bis zum Timing im Familienalltag“, so der DKSB-Vorsitzende. Darüber hinaus fordern die Kinderschützer in NRW für Eltern mit kleinen Kindern die Möglichkeit, ihre Erfahrungen auszutauschen. „Dies sollte sich nicht auf das Gespräch am Gartenzaun und auf Internetforen beschränken. Geeignete Orte hierfür könnten die von der Landesregierung geplanten Kinder- und Familien-Zentren sein. Voraussetzung ist allerdings, dass man diese personell und finanziell angemessen ausstattet“, sagte Dieter Greese.

 

Das enge Miteinander von Eltern solle schon früh beginnen. Der Kinderschutzbund NRW forderte daher organisierte und regelmäßige Eltern-Treffen in Geburtskliniken. „Darüber hinaus müssen wir denen, die persönliche Probleme wie Arbeitslosigkeit und Armut haben, gezielt unter die Arme greifen. Sie brauchen ganz praktische Hilfen, die wir ihnen kontinuierlich und frühzeitig geben müssen“, machte der Vorsitzende des Kinderschutzbundes NRW deutlich.

 

Der Kinderschutzbund sprach sich zudem für ein Betreuungsangebot im Elternhaus aus – z.B. durch Familienpaten. Viele Probleme ließen sich vor Ort am besten klären. „In den eigenen vier Wänden haben Eltern und Kinder ihr vertrautes Umfeld. Es ist am besten, dort über das Aufräumen im Kinderzimmer, über Schwierigkeiten bei den Hausaufgaben und über Haushaltsführung zu reden“, sagte Greese. Verstärkt will der Kinderschutzbund Nordrhein-Westfalen aber auch Angebote für Kinder einführen. „Der Bedarf ist enorm. Er reicht vom warmen Mittagstisch über die Hausaufgabenbetreuung bis hin zur handfesten rechtlichen Beratung für Kinder“, so der DKSB-Vorsitzende.

 

Der Kinderschutzbund in Nordrhein-Westfalen sei in der Lage, bei der Ausweitung von Angeboten für Kinder und Eltern einen wesentlich Beitrag zu leisten. Kinder-Sprechstunden kosteten allerdings – wie Eltern-Kurse und Beratungen in Problem- Haushalten auch – Geld. Das Land und die Kommunen müssten daher jetzt für den notwendigen finanziellen Rahmen sorgen. Dann ließen sich die Pläne der Landesregierung auch umsetzen. Mit Kürzungen, wie die Regierungskoalition sie jetzt beschlossen habe, sei dies allerdings nicht zu machen.

 

 

 

Ansprechpartnerin:

Martina Huxoll, Fachberaterin DKSB LV NRW e.V., Tel.: 0202/754465 oder 0202/755217