
Kinderschutzbund kritisiert: Super Nanny entwürdigt Kinder und Familien
Bestehende
Unterstützungsangebote für Familien nutzen
Wuppertal. Das große Bedürfnis nach
Erziehungshinweisen im Alltag greift RTL mit seiner neuen Realityserie „Die
Super Nanny“ auf. Doch der Deutsche Kinderschutzbund NRW warnt: das
vermeintliche Terrorkind Max wurde in der Serie massiv degradiert und
diszipliniert. Dies ist entwürdigend und missachtet das Recht auf gewaltfreie
Erziehung.
„Schon seit November 2000 ist allen verantwortlichen
Erzieherinnen und Erziehern klar: Kinder haben das Recht auf gewaltfreie
Erziehung. Körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere
entwürdigende Maßnahmen sind unzulässig“, so Dieter Greese, erster Vorsitzender
des Deutschen Kinderschutzbundes. Zu
diesem Zeitpunkt wurde der Paragraph 1631, Absatz 2 des BGB neu formuliert.
Dies gilt jedoch nicht für die Super Nanny von RTL. Sie reglementiert
vermeintliche Terrorkinder mit autoritären Erziehungsmethoden, deren
Aufstellung und Anwendung weder mit den Eltern, den beteiligten Kindern noch
mit weiteren Familienangehörigen diskutiert wurden.
Sobald die Super Nanny das Haus der betroffenen
Familie betritt, wird ein umfangreiches Regelwerk an die Wohnzimmerwand
gepinnt, dessen simple Botschaft lautet: Kinder, die in einem hohen Maße
verhaltensauffällig sind, müssen mit der harten Hand zur Strecke gebracht
werden. „Dies befriedigt zwar die Sehnsucht vieler nach schnellen pädagogischen
Lösungen, lässt aber die komplexen Entstehungsformen eines solchen Verhaltens
vollkommen außer acht,“ so Martina Huxoll, Fachberaterin für den Bereich Gewalt
an Kindern, Deutscher Kinderschutzbund NRW. Nicht ein einziges Mal fragt die
Super Nanny wie es dem Jungen bei all dem Spektakel geht, hinterfragt warum er
seine Mutter permanent provoziert und um Aufmerksamkeit bettelt. Lediglich beiläufig
wird in der Serie erwähnt, Max habe dieses Verhalten nach der Geburt seiner nun
dreijährigen Schwester angenommen.
Max wird in der RTL-Sendung weder in Beziehung zu seiner Familie gesetzt noch wird er anders gezeigt als heulend, spuckend, kreischend und Türen schlagend. So muss der Zuschauer glauben, dass das Kind keine positiven Seiten und auch die Mutter keine Kompetenzen hätte, mit ihm umzugehen. Eine solche Darstellung ist zutiefst entwürdigend, da die Familie hier auf ihre Defizite reduziert und einem Millionenpublikum vorgeführt wird.
In vielen Städten und Gemeinden finden Kinder und
Eltern Rat und Unterstützung in Beratungs- und Therapieangeboten. Diese
Angebote sichern Kindern und Eltern Vertraulichkeit im Umgang mit den
anvertrauten Informationen und sorgen für eine gute und hilfreiche Beziehung
zwischen Eltern, Kindern und Berater.
Ein differenzierteres Erziehungsmodell liegt den
Elternkursen „Starke Eltern – Starke Kinder“ zu Grunde, die vom Deutschen
Kinderschutzbund angeboten werden. Hier erhalten Eltern Unterstützung, um ihr
eigenes Erziehungsmodell zu entwickeln. Dies geschieht dadurch, dass ihre
eigenen, positiven Fähigkeiten zu erziehen, gestärkt werden. Auch wird die
Familie in den Blick genommen, um Wechselwirkungen im Verhalten der einzelnen
Familienmitglieder zu verstehen. Die Super Nanny von RTL könnte hier lernen, zu
einem würdevolleren Umgang mit Menschen zu finden.
Wuppertal, 6. Oktober 2004
Ansprechpartner:
Fachberaterin für den Bereich Gewalt an Kindern
Deutscher Kinderschutzbund
Landesverband NRW
Tel.: 0202- 75 44 65 oder 75 52 17