Jahrestagung für Kinderschutzfachkräfte

Aus dem NRW-Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport waren der ehemalige Staatssekretär, Prof. Klaus Schäfer sowie Heiner Nienhuys, Leiter des Referats „Prävention, Frühe Hilfen, Kinderschutz, pädagogische Förderkonzepte“ als Diskutanten der Gesprächsrunde vertreten. Ein weiterer Teilnehmer der Podiumsdiskussion war Prof. Hans-Jürgen Schimke, Vorsitzender des Instituts für Soziale Arbeit e.V. Münster und stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Kinderschutzbundes Landesverband NRW e.V.. Moderiert wurde die Gesprächsrunde von Friedhelm Güthoff, Geschäftsführer des Deutschen Kinderschutzbundes Landesverband NRW e.V.

Vorbildliche Ausbildung der Kinderschutzfachkräfte in NRW

„Der Kinderschutz ist in NRW in der Praxis angekommen. Nun sind wir gefordert, das zu erhalten und weiterzuentwickeln“, sagte der ehemalige Staatssekretär Prof. Klaus Schäfer. Schäfer hatte unter anderem seit 1998 die Entwicklung der sozialen Frühwarnsysteme begleitet. „Ich glaube, NRW ist seitdem gut aufgestellt. Die Ausbildung der Kinderschutzfachkräfte ist vorbildlich“, betonte der ehemalige Staatssekretär.

Vernetzung und Kooperation in den Kommunen

Der Vorsitzende des Instituts für soziale Arbeit (ISA) und stellvertretende Vorsitzende des DKSB Landesverbandes NRW, Prof. Hans-Jürgen Schimke, betonte die Bedeutung des Austauschs und der Kooperation der Fachkräfte untereinander. „Wenn ein Kind gefährdet ist, dann müssen alle dahin schauen und sich ihrer jeweiligen Rolle für die Abwendung der Gefährdung bewusst werden. Im Kern versprechen sich Kinderschutzfachkräfte deshalb vom Gesetz bessere Rahmenbedingungen“.

Gynäkologen und Familienrichter fehlen am Diskussionstisch

Der Weg zu einer strukturellen Vernetzung aller Beteiligten sei zugleich eine Herausforderung auf kommunaler Ebene, so Heiner Nienhuys.. „Jeder sollte seine kommunalen Hilfemöglichkeiten ausnutzen, um zu helfen“. Prof. Klaus Schäfer bemängelte, dass es auch mit dem Bundeskinderschutzgesetz nicht gelungen sei, eine Verbindung zwischen dem SGB V und dem SGB VIII zu schaffen. „Bei Diskussionen und Tagungen zum Kinderschutz vermisse ich zum Beispiel Gynäkologen und Familienrichter“, so Prof. Klaus Schäfer.

Unzureichende Befundlage zum § 8a SGB VIII

Dr. Jens Pothmann vom Forschungsverbund DJI/TU Dortmund forderte in seinem Vortrag über den Stand der Umsetzung des Paragrafen 8a SGB VIII in der Praxis Erfassungsbedarf ein. „Die empirische Befundlage zum Einsatzgebiet sowie die Qualität und Quantität der Beratung von Kinderschutzfachkräften ist noch immer unzureichend“.

Gesetzliche Änderung des Bundeskinderschutzgesetzes

Mit dem am 1. Januar 2012 in Kraft getretenen Bundeskinderschutzgesetz sind wichtige Regelungen zur Kooperation und Information im Kinderschutz sowie Erweiterungen der Aufgaben der „insoweit erfahrenen Fachkräfte“ geschaffen worden. Die Kinderschutzfachkraft erhält in diesem System eines kooperativen Kinderschutzes zusätzliche Aufgabenstellungen. So soll sie zur Beratung bei der Gefährdungseinschätzung des Personenkreises gemäß §§ 8b Abs. 1 SGB VIII und gemäß § 4 KKG hinzugezogen werden um diejenigen, die Anspruch auf Beratung haben, zu unterstützen und aufzuklären.

Problematische Kinderschutzverläufe als Fehlerkette

„Fehler bei negativen Kinderschutzverläufen, die in verschiedenen Fällen in der Vergangenheit passiert sind, sind immer auf eine Kette von verschiedenen Fehlern und Fehlentscheidungen an diversen Stellen zurückzuführen. Daraus sollten wir für die Zukunft lernen“, sagte die Juristin und Diplom Sozialarbeiterin Prof. Brigitta Goldberg von der Evangelischen FH Rheinland-Westfalen-Lippe Bochum in ihrem Vortrag über problematische Kinderschutzverläufe. Die Juristin beschäftigt sich seit mehreren Jahren mit problematischen Fällen und den Konsequenzen für den Kinderschutz in der Praxis.

Experten fordern Landesausführungsgesetz

Alle Experten sprachen sich abschließend einheitlich dafür aus, ein Landesgesetz zum Bundeskinderschutzgesetz in Nordrhein-Westfalen auf den Weg zu bringen, damit die Umsetzungspraxis in den Kommunen nicht zu unterschiedlich erfolgt. „Wir brauchen den Austausch und die Diskussion, um Säulen für den Kinderschutz zu bauen“, betonte Friedhelm Güthoff, Geschäftsführer des DKSB Landesverband NRW.

(Viola Gräfenstein)

Weitere Informationen : www.kinderschutz-in-nrw.de