
Wandhofen - "Ruhe bitte, wir drehen!" Ein Ball liegt inmitten eines Scherbenhaufens auf einer spätmittelalterlichen Treppe. Scheinwerfer beleuchten das Bild, eine Kamera fängt es ein. 17 Menschen verstummen, dann: "Danke, der Film ist angedreht!" Applaus schallt durch den Hof von Haus Ruhr. Unter dem Titel "Der Erbe" will das Team um Regisseur Andi Rogenhagen deutlich machen, wie Kinder in der Familie das Handlungsmuster erben, Konflikte durch Gewalt zu lösen. Der Blick auf vier Zeitepochen soll den generationsübergreifenden Charakter betonen. Alles muss demnach gleich vier Mal gedreht werden. Der etwa zweiminütige Streifen soll später als Kinospot zu sehen sein. Einen professionellen Dreh können die Schüler von Rogenhagen, Dozent für Film und Drehbuch an der Ruhrakademie, erleben. Er hatte die Idee, sein Institut als Kulisse zu nutzen. In Zusammenarbeit mit dem Kinderschutzbund NRW setzte er das Gelände in Szene und ließ die Filmemacher anreisen. Um dem Anspruch auf eine authentisch abgestimmte Ausstattung gerecht zu werden, wurden beispielsweise Teile des Rittersaals mit 70-er-Jahre-Tapete geschmückt. Und der Anblick des dunkelblauen Maybach auf dem Hof der Akademie bereitete wohl jedem Autoliebhaber Freude. Akademieleiter Prof. Jürgen Storr übernahm für den Kinospot die Vaterrolle. Den Sohn sollte Felix Vogt darstellen, der zwar kurz vor den Dreharbeiten wegen Krankheitsverdachts ausfiel, aber die Rolle trotzdem später noch übernehmen kann. Als Double sprang kurzerhand der 13-jährige Schüler Ruben Drückler ein. "Felix ist kleiner als ich, da muss ich mich oft knien, damit die Einstellungen gemacht werden können", erholte sich der Bochumer in den Pausen von den Kniestrapazen. Neben einer Standbildfotografin, Beleuchtern und Kameraleuten arbeitet ein Spezialeffekte - Team auf Hochtouren. Mit roten Bällen erfasst es beispielsweise den Boden, so dass er in der Nachbearbeitung per Mausklick zeitgemäß verändert werden kann. Im November soll der Spot dem Kinderschutzbund NRW übergeben werden. Am 18. September wird zum letzten Mal um Ruhe gebeten werden, vielleicht um das Schlusswort einzufangen: "Lassen Sie Ihre Kinder nicht von ihrem Urgroßvater terrorisieren!" – pat
