PRESSE-Meldung

Kein Kinderverleih in Deutschland! Stoppt "Eltern auf Probe"

Kinderschutzbund: "Mit dem Kinderverleih geht RTL zu weit!"

Das neue Sendeformat "Erwachsen auf Probe" stößt bei Kinderschützern auf klare Ablehnung. In der TV-Sendung werden Kinder ausgeliehen an Teenager, die vor laufender Kamera ausprobieren, ob sie als Eltern taugen. Der Privatsender möchte nach eigener Aussage damit auf das Problem der Teenagerschwangerschaften aufmerksam machen. Kinderschützer halten das für einen Vorwand, um einen quotenträchtigen Tabubruch durchzusetzen.
"Aufklärung über Teenagerschwangerschaften begrüßen wir grundsätzlich", sagt Friedhelm Güthoff, NRW-Landesgeschäftsführer des Deutschen Kinderschutzbundes e.V., "aber nicht auf diese Weise!"

Kinderschützer haben allgemeine ethische Bedenken bezüglich des Produktionskonzeptes. Vier Teenagerpaare bekommen einen Monat lang einen eigenen Haushalt und jeweils vier Tage lang ein fremdes Kind in den Altersstufen Säugling, Kleinkind, Kind und Jugendlicher. "Kinder sind keine Versuchskaninchen", so Güthoff. Er befürchtet eine seelische Gefährdung für die teilnehmenden Kinder: "Wenn die Sicherheit gegenüber den Eltern verloren geht, wenn der Lebensrhythmus gestört wird, entstehen schnell Verlustängste.
Das kann seelische Narben hinterlassen." Der Kinderschützer hält eine derartige Produktion für belastend: "Die Kinder haben nicht darum gebeten, ausgeliehen und vor die Kamera gestellt zu werden, sie werden als Spielball wirtschaftlicher Interessen missbraucht. Mit seriöser Aufklärung hat dies nichts mehr zu tun." Selbst wenn sie die Dreharbeiten mit den fremden Menschen verkraften, müssen sie sich anschließend noch in dem Rampenlicht behaupten, das ihr TV-Auftritt bringe. Auch das könne den Alltag eines Kindes beunruhigend durcheinander bringen. "Teilnehmer an dem Vorläufer-Programm "Super-Nanny" haben nach der Sendung von regelrechtem Spießrutenlaufen im eigenen sozialen Umfeld berichtet," sagt Güthoff.

Den Einwand, dass Kinder in einem Hort ebenfalls fremden Menschen überlassen werden, lässt Güthoff nicht gelten: Dort arbeiten Fachleute, nicht Teenager.
Die Kinder bekommen Eingewöhnungszeit und profitieren von den sozialen Kontakten. "Für so etwas macht der Kinderschutzbund sich stark, Kinder sollen ihre Eltern zum Beispiel auch mit ins Krankenhaus nehmen dürfen, um sich so sicher wie möglich zu fühlen. Das sind anerkannte Werte in unserer Gesellschaft, die durch derartige TV-Formate aus Profitgier untergraben werden!" ärgert sich der Pädagoge.

Darüber hinaus verwundert die Informationspolitik von RTL. Anfänglich habe der Sender damit geworben, dass die Teenager mit den fremden Kindern auf sich allein gestellt seien und die Eltern sowie eine Psychologin das Geschehen per Kameraüberwachung aus der Ferne verfolgen. Die Eltern hätten während der jeweils vier Aufnahmetage in einem Haus gegenüber gewohnt und übernachtet. Auf Nachfrage ruderte RTL zurück; die Mütter hätten zum Teil direkt hinter der Kamera gestanden und die Kinder nachts zum Teil auch bei sich gehabt.
Auch beim Thema Teenagerschwangerschaften nimmt RTL es offensichtlich nicht so genau. So behauptete der Sender, immer mehr Teenager-Paare wollen ein Kind bekommen. Richtig ist, dass junge Menschen zwar Lust auf Familie haben, aber aus beruflichen Gründen auf Kinder verzichten (DJI 2008). Zahlen des Statistischen Bundesamtes belegen auch, dass Teenager-Schwangerschaften seit
2001 rückläufig sind.

Auch, dass der Sender verschweigt, warum und wo genau die Dreharbeiten in den Niederlanden stattgefunden haben, hat für Kritiker des Formats einen Beigeschmack. Es lässt vermuten, dass RTL eine genaue Überprüfung der Produktion vermeiden will.

Aufgrund der Einwände vieler Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe sowie von Medizinern bundesweit hatte RTL für den 22.05.09 ausgewählte Personen und Journalisten zu einer Vorschau von Sendeausschnitten geladen. "Weder die Bilder noch die Gespräche haben mich überzeugt", sagte anschließend Friedhelm Güthoff vom Kinderschutzbund NRW. Sein Fazit: Das RTL-Format "Eltern auf Probe" sollte nicht ausgestrahlt werden: "Teilnehmern und Zuschauern wird vorgegaukelt, es würde kleinen Kindern nicht schaden, sie für mehrere Tage ohne Eingewöhnung in völlig fremde Obhut zu geben. Es ist ethisch nicht vertretbar, dass die Gefährdung von Kindern, die in diesen Fällen mindestens in Kauf genommen wurde, zur finanziellen Bereicherung der Produzenten beiträgt."

Pressemeldung des Deutschen Kinderschutzbundes (DKSB), hier vertreten durch den DKSB Landesverband NRW e.V., Wuppertal

Wuppertal/Köln, den 22.05.2009

Ansprechpartner: Friedhelm Güthoff 0157 / 71477348


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