Integrativer Bewegungskindergarten Pfiffikus beim Ortsverband Krefeld

Krefeld

„Als Kinderschutzbund sind wir die Lobby für Kinder und setzen uns für deren Rechte ein – ganz klar, dass in unserer Einrichtung die Kinder auch das Recht auf freie Meinungsäußerung und Beteiligung haben“, erklärt Iris Stachelhaus, Leiterin des integrativen Bewegungskindergartens Pfiffikus beim Ortsverband Krefeld. Im Pfiffikus leben, spielen und lernen 75 behinderte und nicht behinderte Kinder gemeinsam. Ziel ist es, eine Pädagogik der Vielfalt auf der Grundlage einer tragfähigen Beziehung zu schaffen. Alle Barrieren sollen für alle Kinder auf ein Minimum reduziert werden.

Regelmäßig tagt das Kinderparlament
Bereits seit 20 Jahren gibt es im Pfiffikus das Kinderparlament. Das Interesse an Beteiligung soll so früh wie möglich geweckt werden und die Kinder sollen Möglichkeiten zur Konfliktbewältigung kennenlernen. Erzieherin Dana Majster hat das Konzept von Anfang mit entwickelt: „Die Kinder sind den ganzen Tag an allen Entscheidungen bei uns beteiligt. Wir möchten alles transparent machen. Die Kinder sollen ermutigt werden, so früh wie möglich für sich selbst zu sorgen.“

Jedes Kind darf Themen einbringen
Jede Gruppe hat ihr eigenes Kinderparlament, das regelmäßig einberufen wird. Die Themen werden von den Kindern vorgeschlagen und von den Erzieherinnen moderiert. Für gruppenübergreifende Themen wie z.B. die Gestaltung des Außengeländes gibt es ein gesondertes Gremium für alle Pfiffikusse.

Pfiffikus 2_klJeder kann übrigens Diskussionsstoff einbringen und darf selbstverständlich ausreden. Am Ende müssen die Kinder alle das mehrheitliche Ergebnis mittragen. Oft werden aber auch Kompromisse erzielt – ein wichtiger Lernprozess für ein demokratisches Miteinander.

Um was geht es konkret?
Die Tagesordnungspunkte sind so vielfältig wie das alltägliche Leben. Etwa die Unzufriedenheit mit der Toilettensituation. Am Ende wurde beschlossen, dass fortan die Mädchen die rechte und die Jungen die linke Toilette benutzen. Die Erzieherinnen führen Protokoll über die Sitzungen und machen die Themen so auch für die Eltern transparent, die jederzeit nachlesen können, welche Themen gerade unter den Nägeln brennen.

Oft geht es schlicht um die Alltagsgestaltung im Pfiffikus: Julian möchte in den Zoo, Emma möchte Minigolf spielen und alle Kinder stimmen zu. Ein Termin wird abgesprochen, die Kinder gestalten die Elternbriefe und freuen sich auf den schönen Ausflug. Oskar bringt das Thema Weltall ein, Viktoria möchte lieber über Pippi Langstrumpf sprechen und Jan wünscht sich eine Nachtwanderung. Über alles wird diskutiert, abgestimmt und gemeinsam gehandelt.

Was Beteiligung bewirkt
Das kann natürlich anstrengend sein für die Erzieherinnen und Erzieher – vor allem aber auch für die Eltern. Gerade wenn Kinder für die eigenen Rechte sensibilisiert werden und die auch zu Hause einfordern. „Aber Selbstbewusstsein gibt es nicht auf Knopfdruck – das ist ein Prozess, an dem alle beteiligt sind“, weiß Iris Stachelhaus.

Antje Siegert, Deutscher Kinderschutzbund Krefeld e.V.  

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