Einstellungen der Lügde-Verfahren dürfen die Schwachstellen im System nicht verdecken

279923_web_R_by_HHS_pixelio.deDie Detmolder Staatsanwaltschaft hat im Zusammenhang mit den Missbrauchsfällen von Lügde mehrere Verfahren eingestellt. Die Ermittlungen gegen Mitarbeiter der Polizei Lippe, der Jugendämter Hameln-Pyrmont und Lippe sowie gegen vom Jugendamt beauftragte Familienhelfer hätten nicht zu einem hinreichenden Tatverdacht geführt, so die Staatsanwaltschaft.

Krista Körbes_kl

Durch die Entscheidung entsteht ein falscher Eindruck

Für diese Entscheidung gebe es juristisch mit Sicherheit nachvollziehbare Gründe, so Krista Körbes, Landesgeschäftsführerin des Kinderschutzbundes in Nordrhein-Westfalen. „Dennoch entsteht nach außen ein falscher Eindruck“, kritisiert sie und betont: „Es gibt schwerwiegende strukturelle Probleme im Kinderschutz-System.“ Dazu gehören fehlende Qualifizierung und mangelhafter Austausch von Personen, die mit dem Verdacht von sexualisierter Gewalt zu tun bekommen. Diese unzureichende fachliche Zusammenarbeit ist dem System geschuldet und betrifft somit auch Polizistinnen und Polizisten sowie Mitarbeitende von Jugendämtern.

„Der Kinderschutz in Nordrhein-Westfalen muss nachhaltig verbessert werden“, bekräftigt Landesgeschäftsführerin Körbes. „Wir brauchen gut ausgebildete Fachkräfte, die die Signale von Kindern richtig deuten können. Und wir brauchen Strukturen in Behörden und Organisationen, die es erlauben, wichtige Fakten zu besprechen, weiterzuleiten und zeitnah zu handeln“, so Landesgeschäftsführerin Körbes weiter.

11.03.2020