Interview mit der NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer

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(c) MSB/Susanne Klömpges

Mehr Personal an den Schulen soll helfen, allen Kindern gleiche Bildungschancen zu geben

Kinder aus ärmeren Familien schreiben schlechtere Noten als Jungen und Mädchen, deren Eltern mehr Geld zur Verfügung haben. Studien belegen immer wieder, dass der Bildungserfolg und die Teilhabechancen von Kindern und Jugendlichen in Deutschland schon früh maßgeblich von ihrer sozialen Herkunft abhängen. Diese negativen Auswirkungen sind umso stärker, je länger Kinder und Jugendliche in Armut aufwachsen.

Diese Ungerechtigkeit stellten wir als Deutscher Kinderschutzbund bundesweit in den Mittelpunkt einer großen Kampagne. Zum Weltkindertag waren bundesweit Politiker, Journalisten, Lehrer, Eltern sowie die interessierte Öffentlichkeit eingeladen, um über Bildungsungerechtigkeit zu diskutieren und darüber, was sich ändern muss. Im Mittelpunkt standen dabei die Kosten für Schul- und Lernmaterialien, die aus den Mitteln des Bildungs- und Teilhabepaketes nur unzureichend gedeckt werden.

Für Yvonne Gebauer, Ministerin für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen, haben auch die Schulen einen Anteil daran, um die Chancengleichheit von Kindern und Jugendlichen zu erhöhen. Wir als DKSB Landesverband NRW sprachen am Weltkindertag im Düsseldorfer Landtag mit ihr.

Frau Gebauer, was muss sich in den Schulen verändern, damit gute Bildung keine Frage der sozialen Herkunft mehr bleibt?

Yvonne Gebauer: Ich meine, das uns dies nur über zusätzliches Personal gelingt. Wir haben zum Beispiel 600 neue Stellen für sozialpädagogische Fachkräfte geschaffen, um Lehrerinnen und Lehrer in der Schuleingangsphase besser zu unterstützen. Diese Stellen leisten in meinen Augen auch einen wichtigen Beitrag, um Ungerechtigkeiten abzubauen. Auch weil wir die Stellen ganz bewusst nach einem Sozialindex verteilen. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass sozialpädagogische Fachkräfte in den Schulen sehr akzeptiert sind und hervorragende Arbeit leisten. Somit ist dies eine gute Maßnahme, damit wir Kinder, die einen besonderen Unterstützungsbedarf aufgrund ihrer sozialen Herkunft haben, durch zusätzliches Personal besser fördern können.

Kinder aus ärmeren Familien haben es häufig auch in ihren Klassen mit Kindern aus sozial benachteiligten Elternhäusern zu tun. Studien zeigen, dass diese soziale Homogenität ungünstig ist, um den Kreislauf der Armut zu unterbrechen. Welche Möglichkeiten haben Sie, um an dieser ungünstigen Mischung etwas zu ändern?

Yvonne Gebauer: Diese ungünstige Mischung zu verändern, das wollen wir mit unseren Talentschulen erreichen. In den kommenden Jahren sollen in Nordrhein-Westfalen bis zu 60 Talentschulen eingerichtet werden – und zwar in Stadtteilen mit besonderen sozialen Herausforderungen. Diese Schulen erhalten einen zusätzlichen Lehrerstellenanteil von 20 Prozent. Sie werden Gelder für Fortbildungen erhalten und sollen insgesamt überdurchschnittlich gut ausgestattet sein. Über all diese Faktoren wollen wir versuchen, Schülerinnen und Schüler aus anderen Stadtteilen in diese Schulen zu bekommen, damit eine gute Mischung gelingt.

Welche Rolle spielen aus Ihrer Sicht Schulsozialarbeiterinnen und –sozialarbeiter?

Yvonne Gebauer: Sie spielen eine große Rolle. An jede Schule gehört ein Schulsozialarbeiter, um direkt auf die vielen unterschiedlichen Bedürfnisse und Herausforderungen der einzelnen Kinder eingehen zu können. Dies kann ein Lehrer oder eine Lehrerin nebenher nicht leisten. Wir setzen uns dafür ein, dass sich langfristig an jeder Schule ein Schulsozialarbeiter, eine Schulsozialarbeiterin befindet, auch um dabei zu unterstützen, die Talente, die jedes Kind mitbringt, mit zu entdecken und mit dafür Sorge zu tragen, dass sie auch gefördert werden. Das Land und die Kommunen tragen ihren Teil dazu bei, aber auch der Bund muss sich langfristig an der Finanzierung der Schulsozialarbeit beteiligen.

Danke für das Gespräch.

Auch der Deutsche Kinderschutzbund in Nordrhein-Westfalen fordert seit Langem, dass flächendeckend Schulsozialarbeiterinnen und –sozialarbeiter eingesetzt werden. Kinder aus sozial schwachen Familien brauchen eine angemessene Förderung in der Schule. Dazu seien gut ausgestattete Ganztagsschulen mit kulturellem und sportlichem Zusatzangebot sowie kleinere Klassen nötig. Die Forderungen des DKSB in Nordrhein-Westfalen finden Sie hier zusammengefasst.

Weitere Informationen zu den angesprochenen Themen finden Sie hier: