Schwachstellen im Kinderschutz-System

Am mutmaßlichen Kindesmissbrauch in Lügde zeigen sich Schwachstellen im Kinderschutz-System – so die Auffassung des Deutschen Kinderschutzbundes (DKSB) in Nordrhein-Westfalen. Auf einem Campingplatz sollen mindestens 23 Kinder Opfer sexueller Gewalt geworden sein. Drei Männer sitzen in Untersuchungshaft.

„Die Vorkommnisse, so wie in den Medien darüber berichtet wird, werfen viele Fragen auf“, so Dr. Margareta Müller, Fachberaterin für den Bereich Gewalt gegen Kinder und Jugendliche beim DKSB Landesverband NRW. Dabei geht es aus ihrer Sicht zum einen um die Frage, nach welchen Qualitätsstandards eine Unterbringung von Kindern in Pflegefamilien stattfindet. Einer der beschuldigten Männer in Lügde war Pflegevater eines der mutmaßlichen Opfer. „Wer ein Kind in Pflege nehmen darf und wer nicht, wird vom örtlichen Jugendamt geprüft“, so Müller. Die Auswahl und Begleitung der geeigneten Menschen sei von entscheidender Bedeutung, um Kindern eine gute Entwicklung zu ermöglichen und sie zu schützen.

„Außerdem sollten die Strategien von pädosexuellen Täterinnen und Tätern in der breiten Öffentlichkeit und bei Fachkräften viel bekannter gemacht werden“, sagt Margareta Müller vom DKSB Landesverband NRW. „Diese Menschen bemühen sich häufig intensiv um den Kontakt zu Kindern oder machen ihnen Geschenke.“ So ein Verhalten sollte alle, die mit Kindern zu tun haben, zum Nachfragen bringen. Aufmerksame Nachbarn, Lehrkräfte oder befreundete Eltern seien wichtig, um sexuelle Gewalt möglichst früh aufzudecken und den Opfern zu helfen.

Grundsätzlich müssten auch Fachkräfte besser geschult werden, um sexualisierte Gewalt zu erkennen und zu verhindern – ob in der Kita, der Schule oder dem Sportverein. „Sie brauchen konkrete Informationen darüber, welches Verhalten sie aufmerksam machen sollte und was sie mit einem konkreten Verdacht tun“, so Margareta Müller vom Deutschen Kinderschutzbund. Der Verband macht sich seit Langem dafür stark, dass Einrichtungen und Organisationen Schutzkonzepte einrichten, damit Kinder und Jugendliche möglichst nicht von sexualisierter Gewalt betroffen werden.

31.01.2019