Wenn das Geld immer viel zu knapp ist …

(c) DKSB/Susanne Tessa Müller

(c) DKSB/Susanne Tessa Müller

JEANS FRITZ unterstützt die Arbeit des Kinderschutzbundes gegen Kinderarmut

Dass er arm ist, würde Marcel* von sich selbst niemals sagen. Dafür schämt er sich viel zu sehr. Der Elfjährige lebt mit seinen Eltern und fünf Geschwistern in einer engen Mietwohnung in einem sozialen Brennpunkt seiner Stadt. „Ein eigenes Zimmer hätte ich schon gerne, aber das können wir uns nicht leisten“, sagt er. Marcels Vater hat keine Arbeit, schon lange nicht mehr. Er macht sich immer mal wieder auf die Suche nach einem neuen Job, aber er findet einfach nichts – und das zieht die Stimmung in der Familie ziemlich nach unten. Marcels Mutter geht abends putzen. Wenn sie arbeitet, ist Marcel dafür zuständig, für seine jüngeren Geschwister das Abendbrot zu machen und sie ins Bett zu bringen. Sein Vater ist dann „unterwegs“. Wo genau, das erzählt Marcel nicht.

Das Geld in der Familie ist oft knapp. Ausflüge am Wochenende oder in den Ferien sind nicht drin, im Urlaub war Marcel auch noch nie. Dafür kennt er sich in seinem Stadtteil sehr gut aus. Es gibt manche Orte, an denen er sich wohlfühlt und wo er sich gerne mit seinen Freunden trifft. Das ist zum Beispiel ein Spielplatz, der kürzlich erst neu gemacht wurde. Manchmal liegt Marcel aber auch abends im Bett und hat Angst vor dem nächsten Tag. Dann muss er wieder an dieser gruseligen Stelle vorbei, wo die Jugendlichen stehen, Bier trinken und den Jüngeren den Weg versperren. In seinem Viertel gibt es viele Orte, die Marcel lieber meidet. Den „Drogenpark“ zum Beispiel, den die Kinder so nennen, weil man dort gebrauchte Heroinspritzen finden kann.

*Name geändert

Vieles muss anders werden
Was sich in seinem Viertel ändern müsste, hat Marcel zusammen mit anderen Kindern und Jugendlichen der Diplom-Pädagogin Lucie Tonn erzählt. Sie arbeitet beim Landesverband Nordrhein-Westfalen des Kinderschutzbundes und hat für ein Projekt Kinder aus benachteiligten Familien nach ihrer Meinung zu ihrem Wohnort befragt. „Uns war es wichtig zu erfahren, was sich ärmere Familien wünschen und was ihnen in ihrem Stadtteil helfen würde“, sagt Lucie Tonn. Mehr Straßenbeleuchtung und mehr Polizei, weniger Kriminelle, mehr Gärten in der Nähe ihrer Wohnungen, … Die Liste ist lang. Marcel und die anderen Kinder hoffen, dass ihre Botschaften bei den Politikern ankommen und dass sich etwas ändert. Lucie Tonn leitet daraus auch Ergebnisse ab, die grundsätzlich für soziale Brennpunkte gelten. „Für uns ist es vor allem wichtig, dass pädagogische Angebote wie Jugendtreffs oder Beratungsstellen sicher finanziert sind und nicht jedes Jahr bangen müssen, ob sie vielleicht schließen müssen.“

Kinderarmut ist Familienarmut
Da, wo Marcel und die anderen wohnen, und an vielen anderen Orten in Deutschland unterstützt der Kinderschutzbund Kinder und Jugendliche aus benachteiligten Familien auf ganz unterschiedliche Weise. Dazu gehören etwa Hausaufgabenhilfen, bei denen es auch kostenlose oder sehr preiswerte Mittagessen gibt. In Kleiderläden können Familien günstig Second-Hand-Mode einkaufen. Es gibt Bildungsprojekte, Beratungsangebote und vieles mehr. „Uns ist es neben dieser Hilfe für einzelne Kinder und Jugendliche ganz wichtig, das Problem der Kinderarmut grundsätzlich anzupacken“, erzählt Lucie Tonn. Schließlich überschattet Studien zufolge Armut das Leben von einem Fünftel der Kinder und Jugendlichen in Deutschland. Das sind 2,8 Millionen Jungen und Mädchen unter 18.

Das Engagement des Kinderschutzbundes
Der Kinderschutzbund macht sich deshalb auf politischer Ebene dafür stark, dass das Geld für Familien grundsätzlich gerechter verteilt wird und jedem Kind das Geld zur Verfügung steht, das es braucht. „Denn Kinderarmut ist eigentlich Familienarmut“, erklärt Lucie Tonn. Und die hat Folgen. „Kinder, die in benachteiligten Familien aufwachsen, haben insgesamt im Leben schlechtere Chancen, etwa in der Schule oder später im Beruf“, sagt Lucie Tonn vom Kinderschutzbund. Und das versuchen wir zu ändern.“

„Gerade im Bereich der Kinderarmut ist viel zu tun“, ergänz Krista Körbes, Geschäftsführerin des Kinderschutzbundes in Nordrhein-Westfalen. „Daher sind wir sehr froh, dass JEANS FRITZ unsere Arbeit gegen Kinderarmut durch die Spendenaktion unterstützt.“