Gelingensfaktoren, Fallstricke und Bruchstellen der interdisziplinären Kooperation im intervenierenden Kinderschutz Nordrhein-Westfalens identifizieren und Erfahrungen sowie Erkenntnisse in die kommunale Praxis tragen

Die Kooperation und Vernetzung aller beteiligten Akteure ist entscheidend für einen wirksamen Kinderschutz und das frühzeitige Erkennen einer möglichen Kindeswohlgefährdung. Entsprechend sieht der Gesetzgeber seit 2012 eine Kooperation der zuständigen Leistungsträger sowohl im präventiven als auch im intervenierenden Kinderschutz durch den Aufbau von Netzwerkstrukturen auf kommunaler Ebene vor (§ 4, Gesetz zur Kooperation und Information im Kinderschutz). Teil der Netzwerke sollen dabei u. a. die Träger der öffentlichen und freien Jugendhilfe, Ärz*innen, Schulen, Polizei, Agenturen für Arbeit und nicht zuletzt die Familiengerichte sein.

Aufbau des Projekts und Forschungsfragen

Vor dem Hintergrund der tragischen Missbrauchsfälle von Staufen im Breisgau, Lügde und Bergisch Gladbach stellt das Kompetenzzentrum Kinderschutz NRW das Thema Kooperation im intervenierenden Kinderschutz in den Mittelpunkt des diesjährigen Forschungsprojekts. Ziel der ersten Projektphase im Jahr 2020 ist es, auf der Basis einer Analyse bestehender Netzwerke in Nordrhein-Westfalen wesentliche Faktoren für das Gelingen, aber auch das Scheitern von interdisziplinärer Kooperation im intervenierenden Kinderschutz zu identifizieren. Folgende Forschungsfragen dienen dabei als Leitschnur für das Projekt:

  • Wie kann Kooperation zwischen öffentlichen sowie freien Jugendhilfeträgern, Polizei und Justiz und anderen Akteuren beim intervenierenden Kinderschutz in NRW gelingen?
  • Wie können vorhandene Erfahrungen und Erkenntnisse zur interdisziplinären Zusammenarbeit auf breiter(er) Ebene Eingang in die kommunale Praxis finden?

Fachleute bringen ihre Erfahrungen ein

Das Kompetenzzentrum Kinderschutz NRW wird hierzu in der zweiten Jahreshälfte 2020 eine interdisziplinäre Expert*innenrunde veranstalten, bei der die vorläufigen Forschungsergebnisse zur Diskussion gestellt werden. Hierbei werden insbesondere die für eine gelungene Zusammenarbeit notwendigen Gestaltungs- und Handlungsweisen innerhalb der Netzwerke sowie die Herausforderung unterschiedlicher Professionskulturen für eine erfolgreiche Kooperation im Kinderschutz näher beleuchtet.

Vorbehaltlich der weiteren Förderung durch das Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration des Landes Nordrhein-Westfalens wird das Kompetenzzentrum KinderschutzNRW  in der zweiten und dritten Projektphase (2021/2022) im Rahmen des Projekts einen Fachtag veranstalten sowie Empfehlungen, Handlungsleitlinien und Schulungsunterlagen zu einer erfolgreichen Kooperation im intervenierenden Kinderschutz erstellen.