Medienkompetenz und Inklusion – eine wichtige Verbindung

Wie können Kinder und Jugendliche mit Förderbedarf und Lernschwierigkeiten vor sexualisierter Gewalt im Internet geschützt werden? Diese Frage stand in diesem Jahr im Zentrum des Projekts „Kinderschutz im digitalen Raum“, das wir als DKSB Landesverband NRW zusammen mit fünf Orts- und Kreisverbänden des Kinderschutzbundes in NRW umsetzten. Finanziert wurde dieses wichtige Projekt zur Medienkompetenz bereits im vierten Jahr durch die Fördermaßnahmen zur Unterstützung von Prävention und Nachsorge von sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche des Landes NRW. Beteiligt waren die Orts- und Kreisverbände Rösrath, Euskirchen, Sankt Augustin, Recklinghausen und Bottrop.

Die Projektkoordinatorin ist Eda Kanber, Fachberaterin für Medienkompetenz beim DKSB Landesverband NRW. Vier Fragen und Antworten zum Projekt:

In diesem Jahr lag der Schwerpunkt des Projekts erstmals auf Inklusion. Warum ist Medienkompetenz für Kindern und Jugendliche mit Beeinträchtigungen besonders wichtig?

Eda Kanber: Aus der Praxis und auch der Wissenschaft wissen wir, dass vulnerable Kinder und Jugendliche ein erhöhtes Risiko haben, Opfer von sexualisierter Gewalt zu werden. Gerade sie müssen wir vor Übergriffen im Internet schützen. Inklusion im digitalen Kontext wird in vielen Bereichen eher stiefmütterlich behandelt und ich habe den großen Bedarf gespürt, mich näher mit dem Thema zu befassen und auch als Kinderschutzbund ein Zeichen zu setzen.

Was brauchen Kinder und Jugendliche mit Beeinträchtigungen in der digitalen Welt?

Eda Kanber: In den vergangenen Jahren habe ich in der Projektarbeit immer wieder erfahren, dass viele junge Menschen sich nicht gut fühlen und das Handy nicht dazu beiträgt, dass es ihnen besser geht. Entweder ist die Nutzungsdauer zu lange oder es liegt an belastenden Inhalten, mit denen sie im Netz konfrontiert werden. Das können verstörende Videoinhalte sein, anonyme Kontaktanfragen oder Kettenbriefe mit scheinbar bedrohlichem Inhalt. Viele Kinder und Jugendliche fühlen sich diesen Herausforderungen gegenüber machtlos.

Daher ist es das grundsätzliche Ziel unseres Projektes, ihnen Wege aufzuzeigen, damit sie sich stark fühlen können und Strategien zur Abwehr kennen. Bei Kindern und Jugendlichen mit Förderbedarf muss das alles natürlich zu ihren speziellen Bedürfnissen passen. Hier ist es die Aufgabe der pädagogischen Fachkräfte, die mit ihnen arbeiten, genau hinzuschauen. Die Frage ist beispielsweise: Ist die Sprache in der Arbeit mit den jungen Menschen leicht verständlich? Sind die Methoden erfolgreich und tragen sie zur Wissensvermittlung und Aufklärung bei?

Wie sah die Projektarbeit mit den Orts- und Kreisverbänden konkret aus?

Auch in diesem Jahr war die Nachfrage der Orts- und Kreisverbände in NRW so groß, dass es eine Warteliste gab. Wir merken immer wieder: Medienkompetenz ist generell eine große Herausforderung im sozialen Bereich und erfordert eine gute interdisziplinäre Zusammenarbeit verschiedener Akteure. Die Verknüpfung von Inklusion und Medienkompetenz ist in diesem Kontext umso spannender.

Mit den fünf Orts- und Kreisverbänden aus Rösrath, Euskirchen, Sankt Augustin, Recklinghausen und Bottrop konnten wir das Projekt umsetzen und sehen, was Gelingensfaktoren aber auch Hindernisse sind und wie wir aus fachlicher Sicht hier besser agieren können. Das Besondere an diesem Projekt ist, dass jeder Orts- bzw. Kreisverband dort abgeholt werden kann, wo er sich gerade befindet. Ich frage also immer Ressourcen, Kapazitäten und Kompetenzen ab, um die Wissensvermittlung und Unterstützung auch bedarfsgerecht gestalten zu können. Es ist meine Aufgabe, das Projekt so zu konzipieren und zu begleiten, dass es den Kindern wirklich gerecht werden kann. So gab es 2025 etwa Schulungen für pädagogischen Fachkräfte über Inklusion, Prävention und Intervention bei sexualisierter Gewalt, Kinderrechte und auch Strafrecht.

Was konnten die Kinder und Jugendlichen für sich mitnehmen?

Die pädagogischen Fachkräfte der Orts- und Kreisverbände gestalten dann Workshops mit Kindern und Jugendlichen. In diesem Förderjahr wurde deutlich, dass insbesondere das Gaming eine sehr große Rolle im Alltag der jungen Menschen spielt. Wenn es um Gefahren des Internets geht, denken viele an klassische soziale Netzwerke wie Facebook, Instagram oder TikTok. Aber überall dort, wo Kinder und Jugendliche agieren können, sind auch Gefahren des Missbrauchs vorhanden. Das kann der Missbrauch persönlicher Daten sein oder eben sexualisierter Form. In unserer Projektarbeit ging es vor allem darum, wie man das Spielen im Internet vorsichtig und auch gesund nutzen kann. Worauf muss ich achten? Wie kann ich mich wehren? Wie sehen die Strategien von Tätern und Täterinnen im Internet aus? Wie können sie in der Gamingszene aussehen?

Die Methoden waren sehr niederschwellig und kreativ. So haben die Kinder und Jugendlichen eigene Piktogramme erstellt, fiktive Chats erfunden und Rollenspiele gespielt. Das Thema Gesundheit war bei allen teilnehmenden Orts- und Kreisverbänden ein großes Thema. So wurde gezeigt, wie man simple Ruhephasen in den Alltag eingliedern kann, wie man seine Hände massieren kann oder bewegen kann – und sie nicht nur zum Tippen benutzt. Da wurden beispielsweise Igelbälle oder Knete eingesetzt, um den Kindern und Jugendlichen mal Ruhe für den Körper zu gönnen, fernab von digitalen Inhalten.

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